Sonntag, 29. März 2015

Evolution oder Revolution durch Fintechs?

Kommen die neuen Formen der Geldanlage,die viele Start-up-Unternehmen anbieten wollen, ohne das Finanz-Establishment aus? Ist die Zeit der „klassischen“ Banken und Fondsgesellschaften abgelaufen? Die DVFA-Fintech-Konferenz in Frankfurt machte klar: Die Entwicklung dürfte eher in Richtung Kooperation als Konfrontation verlaufen.

Auch wenn selbst die Teilnehmer des Stelldicheins zwischen Bankern und „Bankenstürmern“ unschlüssig waren, ob es sich bei den neuen Entwicklung in der Finanzmarkt eher um grundsätzlich neue Phänomene handelt oder nur um einen „frischen Blick“ auf die Anleger – ganz ohne Banken werden private Anleger auch in den kommenden Jahren nicht auskommen.

Regulierung an die Partnerbank ausgelagert

Die präsentierenden Fintechs in Frankfurt machten daraus auch gar keinen Hehl. Ob die MultiAsset-Plattform Cashboard oder Fairr.de, das die private Altersvorsorge online und über den Einsatz von ETFs ermöglichen will. Oder Zinspilot, das Bankkunden günstige Tagesgeldzinsen bankenübergreifend zugänglich machen will – ohne das Konto zu wechseln. Allen ist gemeinsam: Zumindest bei der Abwicklung der Geschäfte ist eine Partnerbank immer an Bord.

Auch in Sachen Regulierung brauchen die Start-ups Partner, die das Risiko schultern. Eine Beaufsichtigung durch die Aufsicht erfolgt praktisch immer auf Seiten des Bankenpartners. Cashboard, Vaamo oder Fairr.de sind in der Rolle des „Vermittlers“ von Diensten rund um die Anlage.

Kooperieren, integrieren, aquirieren

Die Formen der Zusammenarbeit sind bereits jetzt vielfältig. Anwendungen, die Start-ups zur Verfügung stellen, werden in die eigenen Auftritte integriert. Die Social-Trading-Plattform Wikifolio etwa findet sich im Angebot des Sparkassen-Brokers ebenso wieder wie bei Partnerbanken in Österreich und seit kurzem auch in der Schweiz. Beispielhaft für den „Ideenklau“ sind eigene „Robo-Advisers“ auf Bankenwebsites, die das Zusammenstellen eines Fonds- oder ETF-Portfolios erleichtern. Techniken wie das Video-Ident-Verfahren werden aber auch selbst entwickelt oder weiter vorangetrieben. Aber nicht zuletzt werden auch Übernahmen von innovativen Fintech-Anbietern wohl in den kommenden Jahren zunehmen.

Offen bleibt einstweilen aber, in welcher Rolle sich die Banken in der Zukunft sehen werden. Verstehen sie sich künftig immer stärker als „Risiko-Übernehmer“, Abwicklungsmaschinerie und auch als IT-Unternehmen? Oder wollen sie weiter direkt an der „Kundenfront“ als Anlaufstelle für den Kunden Profil und Innovationskräft zeigen?

Der Anleger als Gewinner?

Für den Anleger selbst ist die Entwicklung durchaus positiv. Die Fintech-Szene denkt stärker vom Kunden und seinen Bedürfnissen aus und strickt Anwendungen und Anlageprodukte entlang dieser Bedürfnisse. Die produktorientierte Vertriebsmaschinerie von Banken, Versicherungen und Fondsgesellschaften wird es immer schwerer haben. Die Folge: Anlage wird kostengünstiger und einfacher. Aber auch transparenter, wenn Vergütungsstrukturen offengelegt werden. „Der Ausgabeaufschlag ist tot“, war ein beispielhaftes Statement eines Fintech-Vertreters, das für Raunen unter den Teilnehmern in Frankfurt sorgte.


Auch dadurch kann letztlich aber eine Win-win-Situation entstehen. Die Emporkömmlinge in der Branche sorgen schließlich dafür, dass viele Anlegerschichten überhaupt erst zum aktiven Investieren motiviert werden können. Mehr Kundschaft lässt sich so für alle erschließen. Kundenbedürfnisse werden zudem vielfach erstmals detailliert durch die neuen Online-Tools abgebildet und können besser aufgegriffen werden. Das Geschäft geht allen Anbietern also keineswegs aus, aber die „Geschäftsbedingungen“ ändern sich, evolutionär.  

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