Samstag, 28. Februar 2015

Social Trader und der Kampf gegen Windmühlen

"Der Markt kann länger irrational sein als man selbst solvent"! Der alte Börsenspruch von Starökonom John Maynard Keynes wird immer aktuell, wenn sich ein Markt in einer scheinbaren Übertreibungs-Phase befindet. Scheinbar - denn in Wahrheit ist dies eine Falle, in die immer wieder auch Social Trader tappen, beobachtet von einer staunenden Community.

Vergebliche Spekulation auf fallende Kurse

Spannende Erkenntnisse bieten solche Marktphasen stets, wenn man Social-Trading-Strategien überprüfen will. Agiert ein Trader eher als Trendfolger, der bei den jüngsten Dax-Allzeithohcs kontinuierlich Gewinn einfährt; oder als "Contrarian" der sich gegen den Markt stemmt. Letztere Trader-Spezies hatte in den vergangenen Tagen und Wochen einen schweren Stand. Auf allen wichtigen Social-Trading-Plattformen waren zuletzt "Top-Trader" (ayondo), Wikifolio-Manager (Wikifolio) oder "Popular Investors" (eToro) zu beobachten, denen die Dax-Stände nicht mehr geheuer waren, und die Rendite mit fallenden Kursen zu erzielen versuchten.

Massiv gehebelt short

ayondo Top-Trader Patternicus etwa hält seit mehreren Monaten tendenziell gegen den Markt, was ihm inzwischen den größten Drawdown seiner Karriere beschert hat. Der ehemalige Börsenhändler managt allerdings sein Risiko weiterhin professionell, was einen Gutteil seiner Follower weiterhin bei der Stange hält

Weniger souverän agiert der Trader "Tanako", der noch bis vor wenigen Handelstagen einen vermeintlich makellosen Performance-Chart mit einem Wertzuwachs von fast 100 Prozent vorzeigen konnte. Bei Dax-Ständen über 11.000 Punkten ging Tanako dann so massiv und überhebelt short, dass ein Draw-Down von fast 50 Prozent entstand. Von der einstigen Performance blieben noch 16 Prozent übrig. Ein Desaster für alle Follower.

Bei eToro halten sich die "Opfer" des Dax-Höhenfluges in Grenzen, viele der "Popular Investors" setzen auf Devisen oder Rohstoffe bei ihrem Trading. Die Gilde des Trader mit den höchsten Follower-Zahlen hatte deshalb vor allem unter dem Schock am Devisenmarkt, der Freigabe des Euro-Franken-Kurses durch die Schweizer Nationalbank (SNB) gelitten. Einer der beliebtesten eToro-Trader der Deutsche Christian Fahrner hat allerdings mit vergeblichen Short-Trades gegen den Dax in den vergangenen Tagen ebenfalls zum Teil Schiffbruch erlitten. Seit Jahresbeginn liegt sein Trading-Konto fast 20 Prozent im Minus.

Knock-out per Hebel-Zertifikat

Bemerkenswert auch Portfolio-Manager Stefan Risse, der mit seinem Wikifolio gleich mehrmals hintereinander erfolglos gegen den Dax wettete. Die Hebel-Zertifikate wurden in Abständen von wenigen Wochen jeweils ausgeknockt, was seinem Wikifolio einen Gesamtverlust von 33 Prozent in den vergangenen sechs Monaten beschert. Bemerkenswert auch deshalb, weil Risse gleichzeitig auf den Plattformen ayondo und United Signals erfolgreich "mit dem Markt" agiert und etwa auf ayondo deshalb die meisten Follower auf sich vereint.

Notenbanken pumpen Aktienmärkte auch weiterhin hoch

Fundamental berechtigt oder nicht, ein Kampf gegen den Aktienmarkt, dürfte auch in den kommenden Wochen ein schwieriges Unterfangen werden. Dafür sorgen weiterhin die Notenbanken. Das Anleihe-Rückkauf-Programm der EZB startet, die US-Notenbank Fed zögert beim Anziehen der Zinsschraube. Mit Geld geflutete Aktienmärkte können durchaus noch erheblich weiter steigen. Schlechte Zeiten womöglich weiterhin auch in der Social-Trading-Arena für "Contrarians", Zahltage für "Trendfolger".

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