Freitag, 30. Januar 2015

Robo Advisors: Die "Bessere Geldanlage" der comdirect?

Privates Vermögensmanagement online, oft auf Indexfonds basierend und mit einem hochgezüchteten Tool versehen, das haben sich eine Reihe von kleineren Anbietern zum Ziel gesetzt. Auch die Commerzbank-Tochter comdirect hat ein solches Tool. Es verspricht die "Bessere Geldanlage".



Ein kleiner Test der Anwendung zeigt schnell Stärken und Schwächen des Angebots: Mit konkreten Produktempfehlungen wird der comdirect-Kunde auf der Start-Seite des Tools sinnvollerweise nicht konfrontiert. Statt dessen gibt das Screen zunächst vier Risikostufen vor, von denen die am wenigsten risikofreudige Option gleich in ein Tagesgeld-Angebot der Direktbank überführt.

In drei Schritten zu "Ihrem Ergebnis"

Die drei übrigen Szenarien geben eine eher bestimmte Aufteilung des Anlagebetrags in zwei (Aktien, Anleihen) bis drei (Rohstoffe) Anlageklassen vor. Dazu erhält der Anlage eine "durchschnittliche Rendite p.a." ausgewiesen. Default-mäßig wird hier ein Anlagehorizont von fünf Jahren und ein Einmal-Investment von 10.000 Euro abgefragt.

Mit dem nächsten Klick werden dann drei Produktvarianten angeboten. Die Anlage kann über bestimmte vorausgewählt ETFs oder ein überschaubares Angebot aktiv gemanagter Fonds oder aber auch mit selbst gewählten Fondsprodukten (prinzipiell aus beiden Universen) bestückt werden. Im nächsten Schritt können die entsprechenden Einzelfonds dann ins eigene Depot gekauft werden. Ein buntes pdf-Dokument mit "Ihrem Ergebnis zur Besseren Geldanlage" gibt es obendrein

Das Versprechen, "schnell und einfach in drei Schritten" zum Investment zu gelangen, löst die comdirect damit ein. Wie bei vielen "Robo"-Tools stecken allerdings in den Vorgaben einige potenzielle Fallstricke für eine wirklich individuelle und angemessene Aufteilung des Vermögens.

Kurzsichtige Performance-Berechnung 


Angefangen bei der in Aussicht gestellten Performance. Diese wird rückwirkend für die von "Ihnen gewählte Anlagedauer" berechnet. Zu deutsch: Wer fünf Jahre lang in 30 Prozent Aktien und 70 Prozent Anleihen investieren will (geringes Risiko), kann mit einer Jahresrendite von 11,2 Prozent rechnen. Wer will da noch einen höheren Aktienanteil ins Depot nehmen, wenn es bei einem "hohen Risiko" (70 Prozent Aktien) nur 12,5 Prozent p.a. zu verdienen gibt, und bei einem "mittleren Risiko" (50 Prozent Aktien) sogar nur 11,0 Prozent winken?

Gerade im Hinblick auf den Anleihenmarkt, der strukturell in den kommenden Jahren vor einem Kurscrash stehen dürfte, erscheinen die Performance-Angaben weltfremd. Und: im langjährigen Mittel sind selbst im Aktienmarkt keine zweistelligen Jahresrenditen erzielbar.

Rohstoffe nur bei hohem Risiko, Immobilien nur bei hohen Beträgen

Bemerkenswert ist auch die Vermögensaufteilung, die bei der "Bessere Geldanlage" in Abhängigkeit sowohl von Zeithorizont als auch vom investierten Betrag "getunt" wird. Während bei 10 Jahren Anlagedauer und 5 Jahren Zeithorizont eine 40-50-10 Aufteilung (Aktien-Anleihen-Rohstoffe) empfohlen wird, fliegen bei kleineren Beträgen und kürzeren Zeiträumen die Rohstoffe aus dem Musterdepot - warum?

Bei Anlagesummen über 50.000 Euro verändert sich das Musterportfolio zugunsten der Anleihenklasse, dafür werden Aktien dann weniger stark gewichtet. Wer noch mehr Geld anlegen möchte, 100.000 Euro, gleichzeitig aber weniger als fünf Jahre investieren will, bei dem erscheint nun ein 10-Prozent-Anteil an "Immobilien" im Musterportfolio -allerdings nur bei "mittlerem" und "geringem" Risiko.

Home Bias in mehrfacher Hinsicht

Die Auswahl innerhalb der Asset-Klassen weisen einen starken "Home Bias" auf, wenn es dann um die konkreten Produkte geht - und das in mehrfacher Hinsicht: Zunächst bedeutet "Aktien" im comdirect-Tool vor allem "Europa". Bei geringem Risiko besteht die Aktienkomponente ausschließlich aus Euro-Titeln, erst bei hohem Risiko gelangen neben Emerging Markets-Anteilen auch wenige US-Aktien (5%) ins Musterportfolio.

Einen Bias in eigener Sache enthalten die Produktempfehlungen schließlich auch im Hinblick auf den Emittenten. Knapp die Hälfte der empfohlenen ETFs stammen auch dem Hause Commerzbank, daneben werden allerdings auch Indexfonds der Marktführer Blackrock und Deutsche Bank angeboten.

Fazit: Es geht schlüssiger und individueller

Zum Einstieg in einer grobe Aufteilung seiner Anlage kann die "Bessere Geldanlage" einige Anstöße geben. Nicht nur beim Tool der comdirect wird aber der Risiko-Begriff problematisch gehandhabt. (Aktien = Risiko, Anleihen = Sicherheit). Die Performanceangaben, die das Werkzeug in verschiedenenen Assetklassen und Zeithorizonten verwendet, sind irreführend. Nicht zuletzt werden wichtige Daten des Anlegers, die in eine sinnvolle Asset Allocation einfließen müssten, gar nicht abgefragt. (Etwa: wie viel Verlust kann "ertragen" werden? Wie hoch ist das zur Verfügung stehende "freie" Kapital?) Auch Angaben zum Lebensalter oder der Anlageerfahrung könnten ein Musterportfolio sinnvoller zusammenstellen helfen - für eine "Noch Bessere Geldanlage").

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