Donnerstag, 4. Dezember 2014

Social Trader auf dem Prüfstand - Wer kann EZB-Tage traden?

Am Aktien- und Devisenmarkt herrscht stets Aufruhr, wenn EZB-Präsident Mario Draghi Entscheidungen und Einschätzungen der Notenbank verkündet. So auch am heutigen Donnerstag.

Eigentlich eine Steilvorlage für Trader, die die hohe Volatilität, die enormen Schwankungen bei Dax oder Euro-Dollar intraday ausnutzen wollen. Bei Social Tradern spielen sich die Transaktionen quasi vor den Augen der Beobachter und Follower ab. Ein Blick in die Transaktions- und Positionsliste der Top Trader ist dabei besonders an solchen Tagen erhellend.


Der spannende Handelstag im Dax im Schnelldurchlauf:

Am Nachmittag kurz nach 14:30 war es Anfang Dezember wieder soweit: Draghi sprach, und vor allem der Aktienmarkt holte zu mehreren gewaltigen Swings aus. Zunächst ging es bis auf ein neues Jahreshoch bei 10.084 Punkten im Dax, Nachdem klar wurde, dass Draghi keinerlei konkrete geldpolitische Maßnahmen auf den Weg gebracht hatte, dann der Rückzug um mehr als 100 Punkte: bis 14.40 Uhr auf rund 9.940 Punkte. Auf eine kleine Stabilisierung in dieser Region folgte ein weiterer Einbruch, jetzt bis auf 9.870 Punkte bis ca. 15 Uhr. Danach kämpfte sich der Dax eine halbe Stunde lag auf Marken um 9.950 Punkte, um abermals unter 9.900 zu fallen, bis auf 9.835 Zähler. Erst gegen 15:45 Uhr setzte dann endgültig eine Bodenbildung ein. Am Abend hielt sich der Dax dann wiederum über der Marke von 9.900 Punkten auf.

Genug "Action" also in jedem Fall für einen richtigen Reibach für so manchen Trader. Ein Blick auf mehrere Trader auf Social-Trading-Plattformen sieht wie folgt aus:

Drei Trader unter Beobachtung

Patternicus, Top-Signalgeber auf ayondo, verbuchte im Dax einen Tagesverlust von knapp einem Prozent des Depotwertes, ebenso hoch fiel das Minus bei Trades im MDax aus.
Transaktionsliste

Damit konnte der Trader zwar kein glückliches Händchen beweisen, hielt aber dank moderater Positionsgrößen die Verluste noch im Zaum.

Deutlich heftiger Abwärts ging es bei der "Nummer zwei" auf ayondo, SteinitzInvestment.
Transaktionsliste
Short-Positionen beim Durchstarten des Dax' um 14:35 Uhr wurden genauso "abgeräumt" wie anschließende Long-Positionen, die nur 20 Minuten später sämtlich ausgestoppt wurden. Minus in weniger als einer halben Stunde: Etwa fünf Prozent des Kontostandes.

Zur Ehrenrettung beider Trader sei angemerkt, dass im bisherigen Jahresverlauf beeindruckende Gewinne gemacht wurden.

Bremse statt Turbo

Das gilt auch für das Wikifolio unter dem Titel "Turbodepot". Eine imposante Jahresperformance von 150 stand bis Donnerstagmittag auf der Habenseite.
Profil auf Wikifolio

Dank des Einsatzes von Hebelprodukten können auch Wikifolio-Trader inzwischen kurzen knackigen Bewegungen am Aktienmarkt eine Menge herausholen. Den Turbo gezündet hat am Tag der EZB auch dieser Trader allerdings nicht. Vor allem wegen des Einsatzes von mehreren Tausend Stück Turbo-Calls auf den Dax rutschte das Wikifolio in einer Stunde um etwa zehn Prozent ab. Ungünstig vor allem: Ein Teil der Hebel-Produkte wurde bei 9.850 Punkten "ausgeknockt".

Seitenlinie für Follower?

Ein kleines Fazit der - nicht repräsentativen - Auswahl an Social Tradern: Starke, schnelle intraday Schwankungen bieten vor allem große Risiken und können auch erfahrene Trader auf dem falschen Fuß erwischen. Für Follower wäre es in allen Fällen besser gewesen, den EZB-Tag von der Seitenlinie aus zu verfolgen. Und die Frage: Wer kann EZB-Tage traden? Muss zunächst mit "kaum Einer" beantwortet werden.





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