Mittwoch, 17. Dezember 2014

Crowdinvesting als Anlageform

Crowdfunding und Crowdinvesting werden salonfähig, das zeigen die Erfolge gleich mehrerer Unternehmen, die eine neue Art der Anlage bieten. Private Investoren schlüpfen beim Crowdinvesting in eine ganz neue Rolle.


Wir sind Seedinvestor 

Einerseits können sie Unternehmen in einer frühen Phase fördern und sich an ihnen beteiligen. Damit erhalten private Anleger Chancen, die sonst nur Business Angels oder Beteiligungsgesellschaften haben, die auf Investments in der frühen Phase eines Start-ups spezialisiert sind.

Zum anderen kann in ganz unterschiedliche Einzel-Projekte investiert werden. Ein augenfälliges Beispiel war der Kinofilm "Stromberg", dessen Produktionskosten zu einem Drittel (1,1 Millionen Euro) von rund 3.000 Privatanlegern per Crowdfunding mobilisiert wurden. Ein knappes Jahr nach dem Kinostart wurde aus dem privaten Engagement auch ein rentierliches Investment: Die Produktionsgesellschaft zahlte nicht nur den Einsatz zurück, sondern schüttete 17 Prozent "Gewinn" an die "Crowd" aus.

Genussscheine und Nachrang-Darlehen

Anfang Dezember schaffte die Crowdinvesting-Plattform Bergfürst ihre erste Immobilienfinanzierung, ebenfalls im Bereich von rund einer Million Euro. Anders als die überwiegend dreistelligen Beträge beim "Stromberg"-Funding investieren hier die Teilnehmer im Schnitt jeweils mehr als 4.000 Euro. Die Mittel fließen an eine Gesellschaft, die das Hamburger Middendorf Haus vermarktet und in einigen Jahren vielleicht mit Gewinn verkaufen wird. Anleger erhalten einen Genussschein mit fünf Jahren Laufzeit, einer jährlichen Verzinsung von 3,5 Prozent und einer Bonuszahlung, sollte das Objekt nach Ende dieses Zeitraums an Wert gewonnen haben.

Der Markt für Crowdinvesting hat derzeit drei große Player. Neben Bergfürst, das als einziger Anbieter aus den Einlagen der Investoren handelbare Wertpapiere (Genussscheine oder Aktien) schnürt, sind Seedmatch und Companisto die größten Crowdinvesting-Unternehmen in Deutschland. Im Jahr 2014 wird ein Finanzierungsvolumen von ca. 22 Millionen Euro im Gesamtmarkt erreicht werden.

Bei den beiden Letztgenannten begibt sich der Anleger in die Rolle des Kreditgebers. Seine Beteiligung erfolgt über patriarische Nachrangdarlehen. Damit ist im Pleitefall des Unternehmens, in das investiert wurde, ein Totalverlust wahrscheinlich. Sowohl Seedmatch als auch Companisto hatten auch bereits Insolvenzen bei Nachwuchs-Unternehmen zu beklagen.

Wette auf ein lukratives Exit

Dem Risiko gegenüber steht in der Regel eine Gewinnbeteiligung (sollte das Start-up einmal positive Erträge abwerfen) und eine jährliche Mindestverzinsung. Und natürlich die Chance, ein vorteilhaftes "Exit" zu schaffen, also etwa eine Prämie bei der Übernahme oder dem Verkauf der Firma an einen größeren Investor zu erhalten.

Die Einschätzung der Risiken und Chancen bei einem Start-up oder einem Projekt wie einer Immobilie bleibt letztlich dem Anleger selbst überlassen. Er kann dabei allerdings auf umfangreiche Informationen zurückgreifen, die die Firmen und die Plattform-Betreiber zur Verfügung stellen. Und er kann die Crowd selbst nutzen: Blogbeiträge, Fragen und Kommentare sind öffentlich für registrierte Nutzer einsehbar - sich selbst als aktueller oder zukünftiger Investor in die Diskussion einzuschalten, ist ausdrücklich erwünscht.

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