Dienstag, 11. November 2014

Vermögensmanagement aus dem Netz

Das Web 2.0 macht es möglich: Eine Vermögensverwaltung in Eigenregie kann der Privatanleger inzwischen über eine Reihe von Portalen selbst aufbauen. Über entsprechende Online-Fragebögen kann er seine finanziellen Ziele und seinen Sparbedarf definieren, kann sich selbst ein Portfolio aus verschiedenen Anlageklassen zusammenstellen und sogar Spar- oder Riesterverträge mithilfe der Anbieter abschließen, die ihn dabei untersützen.



Als Zukunft der Bankberatung werden die neuen Unternehmen einerseits gepriesen, von Kritikern aber auch gerne als "Robo-Advisers" (Roboter-Berater) abgetan. Klar scheint allerdings, dass traditionelle Banken und auch Fondsgesellschaften, die aktiv gemanagte Fonds anbieten, durch die neuen Angebote im Netz unter Druck gesetzt werden.

Niedrigere Kosten! höhere Rendite?


Deren Vorteile liegen auf der Hand: Persönliche und kostenintensive Beratung findet nicht statt. Kostenvorteile entstehen auch dadurch, dass zur Abbildung einer Anlagestrategie "von der Stange" überwiegend passive Indexfonds genutzt werden. Nicht zuletzt sind die Anbieter bei der Zusammenstellung von Anlageprodukten frei von Zwängen, etwa hauseigene Fonds oder Zertifikate anbieten zu müssen.

In puncto Renditeaussichten dürften die automatisierten oder teil-automatisierten Strategien sich nicht hinter herkömmlichen "klassischen" Angeboten verstecken müsssen. Die Kostenvorteile sorgen schon an sich für einen Renditebonus, gerade bei der langjährigen Anlage. Und die vorgeschlagene Streuung der Anlagebeträge auf mehrere Asset-Klassen und eine Vielzahl von Einzelprodukten basiert in der Regel auf wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Allokation und Diversifikation.
Nachfolgend, wichtige Vertreter der "Vermögensverwaltung 2.0":

Quirion, drei Szenarien für Anleger

Bei Quirion, Tochter der Quirin Bank, braucht der Anleger nur vier Informationen nur, um eine Anlageempfehlung für den Kunden auszuwerfen: Den Anlagebetrag, das Alter, die Renditeerwartung und den Anlagezeitraum – fertig ist ein Portfolio, dass je nach den vorgegebenen Parametern Aktien und Renten mischt, in Industrieländern oder Emerging Markets investiert. Dies geschieht zumeist über den Kauf von ETFs. Wer mehr Rendite will, erhält mehr Aktien ins Depot, wer Sicherheit bevorzugt, dem wird ein größerer Anleihen-Anteil ins Portfolio gelegt.
Drei Szenario-Rechnungen bekommt der Interessent gleich mitgeliefert. Sie zeigen was es im "besten", "schlechtesten" und dem "erwarteten" Fall mit dem investierten Geld passiert.

Quirion wurde von Karl-Matthäus Schmidt gegründet, der einst mit der Gründung des Online-Brokers Consors bereits einen neuen Markt erschlossen hat. 2005 hob Schmidt mit der Quirin-Bank einen Vermögensverwalter aus der Taufe, der ausschließlich an Kundenhonoraren und nicht durch Verkaufsprovisionen verdient. Ein Modell, das mit der Quirion nun ins Internet exportiert wurde. Jährlich zahlen die Investoren hier mit 0,48 Prozent des Depotvolumens für die Verwaltung ihres Vermögens deutlich weniger als bei der "üblichen Vermögensverwaltung". Kunden müssen Einlagen ab 10.000 Euro .

easyfolio, persönliches Investmentlevel

Keine Mindestbeiträge gibt es bei easyfolio, nicht einmal die Eröffnung eines eigenen Depots ist nicht nötig um, die Produkte des Unternehmens zu kaufen. Die "easyfolios" sind drei Dach-ETF-Fonds, die direkt nach ihrem Aktienanteil benannt wurden. easy 30 (so lautet auch die Wertpapier-Kennnummer) steht für einen 30-Prozent-Anteil, easy 50 und easy 70 heißen die "riskanteren" Produkte, die bei jeder Bank und jedem Broker erhältlich sind.
Um einen der Dachfonds auszuwählen, wird der User auf der easyfolio um einen kleinen "Test" gebeten, der ausfindig machen soll "Welcher Anlegertyp bin ich?"  Durch Fragen zur Lebenssituation, zur Finanzlage und Risikobereitschaft und zum Zeithorizont nähert man sich dem Produkt an. Die Auswertung der Antworten mündet im persönlichen "Investmentlevel", der die potenzielle Aktienquote beim Kauf von easyfolios angibt.
Die Dach-ETFs bestehen aus rund 15 ETFs, mit denen der Aktien- und Rentenmarkt weltweit abgedeckt wird. Die Fonds stammen von den Produktspartnern, den ETF-Anbietern iShare, SPDR und der Schweizer UBS. In "regelmäßigen Abständen" findet innerhalb des Fonds ein neues Ausbalancieren statt, so das die Vermögensverteilung zwischen den Aktien- und Anleihen-ETFs langfristig erhalten bleibt. Die Kostenbelastung liegt bei 0,99 Prozent jährlich.
Die die Fonds können bei den meisten Online-Brokern direkt geordert werden. Dies ist auch über Sparpläne möglich, die je nach Bank auch Sparraten ohne Transaktionskosten ermöglicht.


justETF, Musterportfolios zum Nachahmen 

Wer sich mit der Strukturierung seines "Weltportfolios" etwas eingehender auseinandersetzen möchte, findet bei justETF eine Reihe zum Teil kostenfreier Funktionen für das Aufsetzen seiner ganz persönlichen Vermögensverwaltung vor. Gründer Dominique Riedl stellt zwar eine Reihe von Musterportfolios zur Verfügung, die per Mausklick ans eigene Depot angedockt und "kopiert" werden können. Er lässt dem Investor allerdings freie Hand beim Feinjustieren je nach Gusto. Eine Chartanalyse verschiedener Muster-Depots kann er ebenso durchführen wie Benchmark-Vergleiche mit Aktien- oder Rentenindizes.
Die Musterportfolios basieren auf Anlagestrategien, die wiederum auf wissenschaftlichen Erkenntnissen zur optimalen Vermögensauftteilung beruhen. Dazu gehört etwa die "Arero"-Strategie des Finanzwirtschafts-Professor Martin Weber, der den gleichnamigen Fonds auch bei der Fondsgesellschaft DWS berät. Danach wird das investierte Kapital zu 60 Prozent in den Aktien, zu 25 Prozent in Renten und zu 15 Prozent in Rohstoffe investiert.
Das Tool, das Riedl und sein justETF-Team zur Verfügung stellen, wirft automatisch eine Orderliste aus, die im eigenen Depot nachvollzogen werden kann. Die Software von justETF ermöglicht es aber, die Orders direkt von der Plattform aus an den eigenen Broker zu übergeben. Alle großen Online-Broker, wie comdirect, DAB-Bank, die Deutsche Bank-Tochter maxblue oder der S-Broker des Sparkassensystems lassen dies zu. JustETF finanziert sich in erste Linie über monatliche Abo-Gebühren, die die Nutzer von Premium-Diensten zahlen. 9,90 Euro für eine Vermögensverwaltung in Eigenregie sind im Premium-Abo zum Bespiel fällig.

Fairr.de, Riestern mit Indexfonds

Sogar eine neue Form der privaten Altersvorsorge hat das Web 2.0 inzwischen hervorgebracht: Das Berliner Start-Up-Unternehmen Fairr.de hat seit wenigen Monaten einen Riester-Fondssparplan im Angebot, der ausschließlich auf passiven Indexfonds basiert. Als Partner agiert die Hamburger Privatbank Sutor, die Fonds kommen von den ETF-Anbietern Blackrock, der Deutschen Bank-Tochter x-trackers oder auch von der Commerzbank-Tochter Comstage.

Das Riester-Depot wird nach einer Umschichtungs-Logik regelmäßig umgebaut. Diese richtet sich  nicht an der Marktverfassung aus, sondern stur am geplanten Rentenantritt des Riester-Sparers. Das Fairriester-Depot besteht im Ausgangszustand zu 85 Prozent aus Aktien-ETFs und zu 15 Prozent aus Renten- und Geldmarkt-Produkten. In einem jährlichen Umschichtungszyklus wird die Aktienquote dann verringert – bis im Jahr vor dem Rentenstart nur noch zwei Renten-Fonds bespart werden.
 Für Riester-Sparer mit Fair.de kostet der Service je nach Konto-Größe zwischen 0,25 und 1,0 Prozent pro Jahr an Gebühren. 

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