Mittwoch, 5. November 2014

Verdienen und Vergüten im Social Trading

Social Trading ist auch ein Geschäft. Die Plattform-Anbieter haben unterschiedliche Geschäftsmodelle, die in den kommenden Jahren auch Profite abwerfen sollen. Stets werden Erträge aus dem Zusammenspiel des Signalgebers, des "Top-Traders", "Leaders", "Wikifolio-Managers" oder "Popular Investors" mit dem Follower, also dem Nutzer der Handelsstrategien, erwirtschaftet.


Eine ganze Reihe von Varianten solcher Modelle sind bei den wichtigsten Social-Trading-Plattformen zu finden:

Performance-Fee: Nur die Rendite zählt

Die Performance-Fee wird zum Beipiel bei Wikifolio und United Signals eingesetzt. Der Betreiber und der Trader teilen sich diese Gebühr. Bei Wikifolio kann der Manager eines Wikifolios die Höhe der Performance-Fee selbst festlegen, bei United Signals wird sie vorgegeben. Die Fee entrichtet der Anleger in beiden Fällen bezogen auf sein investiertes Kapital. Sowohl bei Wikifolio als auch bei United Signals ist dabei allerdings eine "High Watermark" eingezogen - nur wenn das Trader-Konto, bzw. das Wikifolio-Zertifikat einen neuen Höchststand erreicht, wird die Gebühr im nächsten Abrechnungs-Zeitraum fällig.

Der Vorteil eines performance-basierten Vergütung liegt auf der Hand: Der Signalanbieter wird ausschließlich für seine "Leistung" in Form einer entsprechenden Rendite bezahlt. Je höher die Leistung, desto höher der Verdienst, den der Trader erhält.
Eine ausschließlich performance-basierte Vergütung blendet allerdings andere Aspekte aus. Zum Beispiel: Wie viel Risiko geht der Trader ein, um eine bestimmte Wertentwicklung zu erreichen? Wie konstant kann einer eine bestimmte Performance über einen längeren Zeitraum liefern? Dazu kommt, dass bei bestimmten Strategien, etwa einer only-long-Strategie im Aktienmarkt keine Performance-Vergütung anfällt, wenn ein Trader in einem allgemein fallendem Gesamtmarkt agiert. Selbst eine Outperformance gegenüber dem Aktienmarkt beschert ihm dann keinerlei Einkommen.

Vergütung nach Handelsvolumen mit Risiken

Einen anderen Weg geht die Vergütung des Trader über das erzeugte Handelsvolumen. Hier teilen sich die Signalgeber und die Plattform-Betreiber ebenfalls die dadurch erzeugten Einkünfte. Dies geschieht nach unterschiedliche Spielregeln. Während Zulutrade definiert, dass pro Lot an Handelsvolumen ein halber Basispunkt oder Pip des jeweiligen Instruments an den Trader ausgeschüttet wird, differenziert ayondo zusätzlich nach Karrierelevel, in dem der Trader sich befindet. Damit wird die Höhe der Vergütung zusätzlich an die Einhaltung von Vorgaben wie maximaler Verlust oder Mindestrendite geknüpft. In beiden Fällen wird die Handelsspanne bei den Transaktionen für Trader und Follower vergrößert.

Beim volumenbasierten Vergütungsmodell spielt Performance nur bedingt eine Rolle. Auch weniger ertragreiche Strategien, die dafür aber langlebiger sind, können lukrativ für Trader sein - allerdings nur bei entsprechend großer Handelsaktivität. In der Praxis der vergangenen Jahre hat diese Vergütungspraxis häufig zu "heavy-trading" auf Seiten der Signalanbieter geführt, ohne dass dies für die Follower in einer höheren Rendite resultierte, im Gegenteil: Volumen wurde und wird häufig nur erzeugt, um Vergütung zu erzielen.

Management-Fee braucht viel investiertes Kapital

Auch die Vergütung über eine Management-Fee bezogen auf das investierte Kapital der Anleger ist im Social Trading bekannt. Beim US-Unternehmen Covestor können die "Portfolio Manager" diese jährliche Gebühr zwischen 0,5 und zwei Prozent selbst festlegen. Sie fließt dann jeweils hälftig an den Trader und die Plattform. Bei Wikifolio kommt eine "Art" Management-Fee durch eine Zertifikate-Gebühr in Höhe von 0,95 Prozent jährlich zur Performance-Fee hinzu.

Mit einer prozentualen Gebühr werden die negativen Effekte der Performance-Fee wie auch der volumenbasierten Vergütung praktisch ausgeschlossen. Es besteht kein Anreiz, Performance durch das Eingehen hoher Risiken zu erzeugen; ebenso wenig zum künstlichen Erhöhen des Handelsvolumens. Allerdings dürfte die Management Fee nur bei entsprechend hohem Aufkommen an investierten Mitteln attraktiv für Plattform-Betreiber und Trader sein.

Verdienst pro Follower

Das Investment-Netzwerk eToro hat seine Vergütungsstruktur im Laufe des Jahres umgestellt und bietet eine weitere Variante an. Hauptkriterium für eine Vergütung der "Popular Investors" ist, wie bisher auch, die Zahl der "Kopierer", also der Follower, die einen Mindestbetrag in die kopierte Strategie investiert haben. Daneben muss der Trader aber in mehreren vorgegebenen Zeiträumen eine positive Performance nachweisen, um in den Genuss der "Top-Ausschüttung" zu kommen.

Durch die Orientierung an der Zahl der Kopierer will eToro auch Trader belohnen, die in der Community ein gutes Standing haben, etwa indem sie ihre Strategie und ihre Trades fortlaufend kommentieren.

"Kick-back"-Sharing als Sonderfall

Einen gänzlich anderen Ansatz beschreitet moneymeets. Hier werden die von den Fondsgesellschaften und nun auch Versicherungen zurückgezahlten Vertriebsprovisionen zwischen der Plattform, den "Leadern" und den Käufern der Fonds und Policen geteilt. Bei der Verteilung spielt Performance eines Musterdepots keine Rolle, wohl aber die Aktivität der Leader in der Community von moneymeets.


Anbieter bleiben auf der Suche

Die Vergütungsregeln der Plattformen sind, wie auch eToro zeigt, weiterhin in Bewegung. ayondo hat bereits angekündigt, in Zukunft mehrere Vergütungs-Systeme parallel zu ermöglichen. Auch andere Betreiber dürften sich mit Alternativen zu ihrer bisherigen Praxis aktiv auseinander setzen.

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