Samstag, 22. November 2014

Social Trading vor dem nächsten Quantensprung

Die Gespräche und Eindrücke von der diesjährigen „World of Trading“ und die Nachrichten aus der Branche während der vergangenen Monate lassen einen Schluss zu: Im Markt für Social Trading und Social Investing steckt noch gewaltiges Potenzial. In den kommenden Monaten könnten die Weichen für weiteres Wachstum gestellt werden.

Das schiere Wachstum alleine von Wikifolio in den vergangenen eineinhalb Jahren dürfte aufzeigen, dass die Branche einen ersten Take-off hinter sich hat: Laut Präsentation von Wikifolio auf der WoT waren bis Juni 2013 rund 30 Millionen Euro in die Wikifolio-Zertifikate geflossen; Ende 2014 dürfte die Marke von 300 Millionen wohl erreicht werden.

Wachstumsimpulse für Zertifikate- und CFD-Branche


Der Erfolg der Wikifolios schlägt sich bereits spürbar in den Handelsumsätzen der Partner aus der Zertifikate-Branche nieder: Lang & Schwarz und HSBC stellen die Zertifikate für den Handel innerhalb der Wikifolios zur Verfügung. Lang& Schwarz emittiert außerdem die Wikifolio-Zertifikate selbst.

Auch die CFD-Branche wird inzwischen durch die Handelsaktivitäten im Social Trading angetrieben. Bei ayondo läuft der Handels der Top-Trader komplett über CFD, bei United Signals zum großen Teil. Bei eToro, das Deutschland als einen der wichtigsten Märkte identifiziert hat, kommen ebenfalls ausschließlich CFDs als Handelsinstrumente zum Einsatz.


Plattformen werden professioneller

Die Plattform-Anbieter haben in den zurückliegenden Monaten einiges an Verbesserungsarbeiten geleistet: Die Überarbeitung der Order-Funktionen bei Wikifolio ist ein Schritt in Richtung Risikobegrenzung auf Traderseite. Bei ayondo und United-Signals wurden eine Reihe von Social-Media-Features (Profilbeschreibung, Präsentation von Top-Tradern, Kommentarfunktion). eToro hat den Weg von der volumenbasierten und hin zur Performance-orientierten Vergütung der Trader begonnen.


Marketing-Anstrengungen sorgen für mehr Aufmerksamkeit

Investoren haben in den vergangenen Monaten Millionen an Euro in die Plattformen investiert, die das offensive Marketing ermöglicht haben. Beispielhaft dafür TV-Sport und TV-Sendereihen durch ayondo. Die Anwerbung von „Ancor“-Men wie dem ehemaligen TV-Moderator Stefan Riße ist ein weiteres Beispiel dafür, Social Trading auch personell attraktiver zu machen.

Alle Anbieter nutzen zudem inzwischen Webinare für Vorstellung von Strategien oder Tradern oder bieten Weiterbildungen für Privatanleger an.

Verbindungen zwischen Playern und Brokern und Direktbanken werden enger


Eine Reihe von Vertriebskooperationen lässt die Social-Trading-Player ins Bankensystem „einsickern“. Wikifolios etwa werden durch Direktbanken wie comdirect oder S-Broker beworben. moneymeets ist es gelungen, die Vertriebsstrukturen nicht nur von Fondsgesellschaften, sondern auch von Versicherern „aufzuweichen“ und im Sinne der Kunden transparent zu machen.

Einige Broker, gerade aus dem CFD-Bereich bieten bereits eigene Social-Trading-Tools an, kooperieren mit den Plattformen oder entdecken gerade die geschäftlichen Möglichkeiten, die im Social-Trading stecken könnte.

Vermögensverwalter sehen neuen Vertriebskanal


Social-Trading als Form der Selbstvermarktung, das nutzen bereits einige Vermögensverwalter auf Wikifolio. Sie sich damit eine neue Kundenschicht erschließen und gleichermaßen auf sich aufmerksam machen. Größere Vermögensverwalter bis hin zu Pensionskassen haben zudem laut mehreren Social-Trading-Anbietern bereits Interesse an Strategien für das eigene Portfolio bekundet. Damit entsteht ein neuer Vertriebsweg für die Plattformen selbst.


Banken-Incubatoren werden in Stellung gebracht

Besonders rührig war hier die Commerzbank in den vergangenen Monaten. Die Gründung des main incubators und von CommerzVentures soll die Frankfurter eng an die gesamte Fintech-Szene andocken. Mit dem Service „BessereGeldanlage“ konkurriert die Tochter comdirect bereits mit Anbietern wie Vaamo, justETF oder easyfolio. Laut dem Manager-Magazin arbeitet die Deutsche Bank ebenfalls an einem „Fintech-Killer“, der noch im kommenden Jahr eine Online-Vermögens-Verwaltung anbieten soll. Gut möglich, dass sich die Incubatoren oder die Banken selbst auch stärker direkt im Social-Trading-Geschäft engagierern wollen.

Harte Konkurrenz, Kooperation oder sogar Übernahmen, alles wird es wohl in im kommenden Jahr zwischen den „Schnellbooten“ aus der Social-Trading-Szene und den „Tankern“ aus der Banken-Branche geben. Gewinner der Entwicklung könnten die internetaffinen Anleger sein, die mehr Auswahl an Anlagemöglichkeiten, mehr Transparenz und niedrigere Kosten erwarten dürfen.

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