Dienstag, 18. November 2014

Social Trader, eine neue Spezies

Die Anforderungen an einen Signalgeber im Social Trading sind hoch. Neben der attraktiven Rendite, die seine Follower erwarten, muss er noch viel mehr leisten, um sich in diesem neu entstehenden Markt zu etablieren.

Die Herausforderung beginnt mit der Auswahl der geeigneten Trading-Plattform. Wo sind die richtigen Instrumente, ob Aktie, ETF oder CFD verfügbar? Welche Kosten entstehen beim Trading durch Spreads oder Gebühren? Wie ist die Ordermaske beschaffen – ist eine Strategie überhaupt ausführbar?

Im Ranking nach oben kämpfen

Um im Ranking des jeweiligen Anbieters irgendwann für Follower interessant zu werden, muss ein Track-Record her. Bei Anbietern wie ayondo oder United Signals ist dazu eine längere Phase Zertifizierung oder des Aufstiegs in der Karriereleiter einzukalkulieren. Um bei Wikifolio unter den vielen Hundert investierbaren Strategien überhaupt „sichtbar“ zu werden, sind neben einer guten Performance auch andere Faktoren wie Kontinuität bei der monatlichen Wertentwicklung und „treue Investoren“ erforderlich.

Beim Social Trading schauen die interessierten Anleger - und vor allem die Follower - dem Signalgeber buchstäblich über die Schulter. Jeder Trade ist transparent, Einstiegszeitpunkt, Positionsgröße, zum Teil sogar Stop-Loss-Marken für jedermann einsehbar. Die einzelnen Trades entwickeln sich gewissermaßen vor den Augen der Öffentlichkeit.

Wie viel gebe ich preis?

Die Transparenz geht aber noch weiter. Je nach Plattform muss sich der Trader mit Klarnamen anmelden. Gewünscht wird – wie zum Beispiel bei eToro – ein echtes Foto des Traders. Eine Beschreibung der eigenen Person und des individuellen Trading-Ansatzes ist bei den meisten Plattformen ohnehin obligatorisch – inzwischen hat auch ayondo den Tradern wieder die Möglichkeit dazu gegeben.

Für den Signalgeber stellt sich hier oft die Frage, wie viel seiner Vita und seiner eigenen Trading-Logik er hier preisgeben möchte. ayondo wie auch bei United Signals ermöglichen anonymes Traden nach wie vor. ayondo Top-Trader „Patternicus“, ehemaliger Aktienhändler und seit vielen Jahren im Eigenhandel tätig, ist zum Beispiel zu einer Darstellung seines Trading-Stils bereit (den er im Interview mit boerse.ARD.de erläutert) möchte aber als Person nicht „öffentlich“ in Erscheinung treten.


Selbstvermarktungstalent gefragt

Als Akteur in einem sozialen Netzwerk ist der Signalgeber gewissermaßen ein „natürlicher“ Kommunikator. Bei Plattformen wie eToro wird die Möglichkeit, Strategien anzubieten an die regelmäßige Kommunikation mit der Gefolgschaft geknüpft. Fast alle Anbieter erwarten ebenfalls die Kommentierung der eigenen Trades und auch des allgemeinen Marktgeschehens.

Die rührigsten (und bei den Followern beliebtesten) Trader nutzen oft darüber hinaus auch andere Kanäle wie Börsen-Foren, Facebook, Twitter oder einen eigenen Internetauftritt, um ihre Strategien zu erläutern und natürlich auch um weitere Anhänger zu werben. Trotz aller Vorgaben und Hilfestellungen durch die Plattformen – der Social Trader ist ein Vermarkter in eigener Sache.

Harte Zeiten in Verlustphasen


Zum Anforderungs-Profil eines langfristigen Signalgebers gehört damit aber auch die mentale Stärke, in dieser Gemengelage zu bestehen. Kaum ein Handelssystem produziert kontinuierlich und verlässlich Gewinne. Und mit einem größeren Draw-down kommen nicht nur die eigenen Zweifel, sondern auch die der Follower. Einige der erfolgreichen Signalgeber schotten sich mental an. Wikifolio-Trader „Ritschy“ zum Beispiel kümmern die Anhänger nach eigener Aussage (im Interview mit der „Zeit“) nicht. Doch das dürfte nicht jeder der Trader schaffen.

Für Follower ist die „Krisenkommunikation“ in solchen Phasen sehr aufschlussreich – für die Trader oft mühselig. Andererseits: Wer sich aus dem Draw-down und dem Stimmungstief wieder nach oben arbeiten kann, dürfte seine Reputation in der „Community“ langfristig gefestigt haben.

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