Donnerstag, 13. November 2014

Kaufsignale von der Crowd

Über Social-Media-Kanäle findet immer mehr Informationsaustausch über die Finanzmärkte statt. Tweets, Facebook- oder Foreneinträge bilden ein scheinbar buntes und unübersichtliches Chaos an Meinungen, Hinweisen und Stimmungen zu Einzelaktien, aber auch ganzen Anlageklassen.


Aus Meinungen werden Indikatoren

Doch aus der Vielzahl von Aussagen der Anleger, ob Hobby-Trader oder Profis, lassen sich spannende Tendenzen herausfiltern (Stichwort: Big Data). Die Wissenschaft hat bereis vor einigen Jahren eine Vorläuferfunktion von Social-Media-Äußerungen gegenüber Bewegungen am Finanzmarkt nachgewiesen. Übrigens gibt es auch einen Zusammenhang zwischen Aktititäten in den Netzwerken und Wahlergebnissen in der Politik. Wer in den neuen Medien stärker präsent ist, gewinnt die Wahl!

Bei der Vorhersage von Kursbewegungen am Aktien-, Devisen- oder Anleihemarkt ist neben der reinen Messung des Grades der Aktivität die Tendenz einer Aussage entscheidend: Wird eine Aktie oder ein Aktienindex positiv oder negativ eingestuft?  Wie ist die Aussage zu gewichten? Auf welcher Plattform oder welchem Social-Media-Kanal wird die "Botschaft" übermittelt? Welche Bedeutung hat hat ein bestimmter Akteuer mit seiner Meinung?

Basis für neuartige Handelssysteme

Zwei deutsche Start-ups haben sich in den vergangenen Jahren zunächst wissenschaftlich mit der Frage der Auswertung von Meinungsäußerungen der "Crowd" auseinandergesetzt und inzwischen marktreife Produkte daraus entwickelt. Die Stimmungsindikatoren, die dabei entstanden sind, können Tradern oder auch Großinvestoren helfen eine Einzelaktie oder einen ganzen Markt besser einzuschätzen. Sie können aber auch Basis ganz neuartiger Handelssyteme sein.

Stockpulse: Sentiment und "Buzz"

Die Gründer der Kölner Stockpulse haben einst am Massachusetts Institute of Technology (MIT) geforscht und ihre Methodik bei der Auswertung der Social-Media-Daten inzwischen in ein Produkt gegossen. Per monatlichem Abo können Anleger oder auch Profi-Investoren vor Markteröffnung die Stimmungslage aus der Crowd abfragen, bis hinunter zu vielen Einzelwerten und zwar in Echtzeit. Die Quellen werden maschinell nach enthaltenden Tendenzen ausgewertet und gewichtet. Neben Stimmungsdaten zu Märkten und Einzeltiteln wird auch ein "Buzz" abgebildet. Dabei handelt es sich um ein starkes Anschwellen der Aktivitäten in den Social-Media-Plattformen. Das Buzz kann als Frühwarnsystem dienen, denn er geht vielfach starken Ausschlägen bei Aktien voraus.

Sowalabs: Selbstlernender Algorithmus

Das Team von Sowalabs hat vor wenigen Tagen eine erste Partnerschaft bei der Vermarktung seines Analyse-Produkts bekanntgegeben. Der Finanzdaten-Anbieter Interactive Data stellt seinen Nutzern nun auch die Social-Media-Indikatoren der Sowalabs zur Verfügung. Das Start-up ist aus einer EU-geförderten Initative (FIRST Projekt) der Uni Stuttgart entstanden. In jahrelanger Forschungsarbeit haben die Gründer einen selbstlernenden Algorithmus entwickelt. Dieser filtert aus vielen Tausend Twitter-, Facebook- und Foreneinträgen Stimmungen heraus. Den so gewonnenen Meinungsdaten (unstrukturierte Daten) stellt der Algorithmus aber auch "harte" Fakten, wie etwa Bilanzkennziffern eines Unternehmens (strukturierte Daten) gegenüber. Aus der Betrachtung beider Aspekte entstehen dann die Indikatoren, die die Investoren bei ihren Entscheidungen unterstützen sollen.

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