Samstag, 8. November 2014

Das Kollektiv gegen den Fondsmanager

Der soziale Netzwerkgedanke hat Einzug ins Fondsmanagement gehalten - zumindest bei einer Reihe von Produkten, die teils bereits seit einigen Jahren am Markt sind. Die Motivation der Initiatoren ist ähnlich gelagert wie beim Social Trading: Die technologischen Möglichkeiten des Web 2.0 auszunutzen, den "Mitmach-Gedanken" aus den sozialen Netzwerken aufzugreifen; und nicht zuletzt: mehr Rendite durch den Einsatz "kollektiver Intelligenz" zu schaffen. Die Unzufriedenheit vieler Anleger mit der Performance, aber auch mit den Kosten und der Intransparenz herkömmlicher Fondsprodukte hat den Anbietern noch einen zusätzlichen Motivationsschub gegeben.


Investtor - Selbst ist der Anleger

Den Anfang bei den "Mitmachfonds" machte bereits im Jahr 2010 der "Investtor", offizielle Bezeichnung "Multi Strukture Fund -Investtor" (WKN A0RD5M). Der Fonds wurde von der Starnberger Vermögensverwaltung Top Vermögen ins Leben gerufen und wird von der Luxemburger Axxion verwaltet. Das Grundprinzip: Die Anleger und "Fans" des Fonds bestimmen selbst, welche Aktien in das Portfolio aufgenommen werden. In den Anfangsjahren mussten sie selbst mit einem Mindestbetrag von wenigen Tausend Euro in dem Produkt investiert sein. Inzwischen können auch Teilnehmer mit einem virtuellen Depot durch eine gute Aktienauswahl und eine entsprechende Depot-Performance in den Kreis des "Fondsmanager-Kollektivs" aufgenommen werden.

Die Aktienfavoriten der Anleger werden durch ein Screening der Lieblingsaktien in deren Muster-Depots auf der Plattform ermittelt, wobei die Favoriten - in der Regel insgesamt 25 bis 50 Aktien - bei Veränderungen im Ranking täglich zugekauft oder verkauft werden. Investtor schüttet Bonus-Zahlungen quartalsweise an die besten Tip-Geber unter den Usern aus, daneben gibt es Gewinnaktionen mit Medienpartnern wie "Börse Online".

Als Benchmark nutzt der Investtor den MSCI World. Wie sich in den rund vier Jahren des Bestehens herausgestellt hat, ist diese Messlatte - die in den zurückliegenden Jahren extrem gut performt hat - nicht zu erreichen gewesen. Der Investtor hat 2012 rund neun Prozent zulegt, im vergangenen Jahr knapp acht Prozent. Bemerkenswert ist allerdings die relativ geringe Volatilität (neun Prozent auf Sicht von drei Jahren) und auch der mit neun Prozent (ebenfalls auf Dreijahressicht) eher geringe maximale Verlust des Fonds.

 sharewise - Von der Empfehlung zum Fonds

Aus einer bestehenden Community heraus entwickelte das Empfehlungs-Netzwerk sharewise im Jahr 2012 sein eigenes Anlageprodukt: Der sharewise Community Fonds (WKN HAFX5N) wird von Hauck & Aufhäuser als Fondsgesellschaft und von der Baader Bank als Fondsmanager betreut. sharewise fungiert offiziell lediglich als "Initiator" des Produkts.

Der Input für die Zusammensetzung des Portfolios kommt allerdings aus der Gemeinde der Empfehlungsgeber von sharewise. Die Plattform sammelt bereits seit 2007 Aktienempfehlungen vieler Tausend privater Anleger. Die Besten von Ihnen, so weist es die Sharewise-Datenbank aus, schlagen das Gros der professionellen Bankenanalysten dabei regelmäßig. Das sharewise-Rankung basiert auf den Empfehlungen in den Musterdepots der Teilnehmer in den vergangenen 180 Tagen.

In den Fonds fließen auf monatlicher Basis die 25 Aktien mit den meisten Empfehlungen der "Top 100-Mitglieder" ein, also derjenigen Teilnehmer, die in der Vergangenheit ein gutes Händchen im Aktienmarkt bewiesen haben. Daneben kann der Fonds auch Short-Positionen eingehen, wenn viele Verkaufsempfehlungen für bestimmte Titel vorliegen. Als Benchmark dient der marktbreite europäische Aktienindex Stoxx Europe 600. An den "Club der 100" Top-Mitglieder wird ein Teil der Performance-Fee ausgeschüttet, die bei einer Outperformance der Benchmark erhoben wird.

Diesen Index umkreist der Fonds seit Auflage mit wechselndem Erfolg. Im ersten vollejünn Jahr des Bestehens (2013) wurde die Benchmarkt deutlich übertroffen, der sharwise-Fonds legte um 22 Prozent zu. 2014 liegt die Performance bislang deutlich unter der des Vergleichsindex'. Generell schwankt der Fonds deutlich heftiger als der Investtor (Volatilität auf ein Jahr 17 Prozent) und verlangt vom Anleger auch eine höhere Verlusttoleranz (max. Drawdown im vergangenen Jahr 28 Prozent).

Intelligent Recommendations - Zustimmungsquote entscheidet

Der jüngste "Kollektiv-Fonds" ist der "Intelligent Recommendations Global Growth Fund" (WKN A1WY3Z), der seit Oktober 2013 im Handel ist. Der Fonds basiert auf dem Konzept "intelligenter" Empfehlungen vieler Anleger, die unabhängig voneinander und gleichgewichtet zu ihren Anlagefavoriten befragt werden.

Ins Fondsportfolio gekauft werden dabei stets die Aktien mit der höchsten Empfehlungsquote unter den Anlegern. Das Fondsmanagement verkauft Titel bereits dann, wenn diese Höhe der Zustimmung zu einer Aktie unter den Befragten abnimmt. Damit soll das Fondskonzept dem Aktienmarkt einen Schritt voraus sein. In Baisse-Phasen kann der Fonds zudem über Derivate eine Short-Position aufbauen, um den Fonds vor starken Einbrüchen zu schützen. In der Regel finden sich rund 40 Titel aus 14 Aktienindizes im Portfolio. Partner von Intelligent Recommendations ist die Fondsgesellschaft Axxion.

Auch der Intelligent Recommendations Fonds ist in den vergangenen Monaten an seiner Benchmark, dem MSCI World gescheitert. Gegenüber dem Dax hält sich das Produkt aber beispielsweise sehr gut, ein gewisser "Home Bias" bei der Aktienauswahl dürfte dabei eine Rolle spielen. Vola und maximaler Verlust während des bisherigen Track-Records entsprechen in etwa denen beim Dax. Intelligent Recommendations ist an einer Performance-Fee beteiligt, die allerdings nur bei einer Outperformance der Benchmark anfällt. An einer Verwaltungsgebühr von 1,4 Prozent p.a. ist die Firma ebenfalls beteiligt.

Zwischenfazit - Bereicherung mit Potenzial

Die "Mitmachfonds" bereichern die Fondslandschaft mit ihrem grundsätzlich neuen Ansatz, die Anleger oder Marktteilnehmer mit ihren Einschätzungen zum Markt und einzelnen Aktien als Impulsgeber für die Selektion zu nutzen. Die unterschiedlichen Herangehensweisen dabei sorgen auch für unterschiedliche Ergebnisse in Sachen Performance und Risikostruktur. Gegenüber dem Gros der professionellen Fondsmanager müssen sich die Produkte nicht verstecken. Optimierungs-Möglichkeiten bei der Auswertung der Meinungen der Vielen und ihrer Umsetzung im Fondsmanagement bestehen aber durchaus.

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