Freitag, 31. Oktober 2014

Social Trading - Die Player in Deutschland

Die Voraussetzungen für Social Trading sind hierzulande bereits seit einigen Jahren gegeben. Schnelles Internet ist beinahe flächendeckend in Deutschland verfügbar. Handelsinstrumente wie CFDs, Zertifikate oder ETFs ermöglichen auch für Privatanleger die Abbildung von Handelsstrategien online und in Sekundenschnelle.



Die Vertrauenskrise und das Social Web

Der Siegeszug des "Social Web" mit Netzwerk-Angeboten wie Facebook oder Twitter hat den Gedanken des Tradens in der Gemeinschaft aber erst salonfähig gemacht. Dazu kam die "Entfremdung" vieler, gerade jüngerer, Anleger vom "Finanzsystem" mit seinen Akteuren. Die Finanzkrise ab 2007 hat ein Übriges dazu beigetragen, dass sich die nachwachsende Anlegergeneration immer weiter vom Bankberater, dem Vermögensverwalter oder dem Fondsmanager entfernt hat.

Das Kollektiv lernt traden

Diese Chance im Trading-Bereich haben ab 2006/2007 zunächst international agierende Plattformen mit eigenen Auftritten in Deutschland ergriffen. Zulutrade, das ausschließlich den Forex-Handel über Partnerbroker anbietet und eToro mit einem integrierten CFD-Broker haben den deutschen Markt für Copy-Trading und Social Trading zuerst erreicht. Bei beiden Anbietern gibt es in Deutschland Trader und Follower deren Zahl in die Tausende geht. Beide nutzen eine Reihe von Social-Web-typischen Features: Bei Zulutrade etwa können die Anhänger die Strategien ihrer Trader kommentieren, was in kritischen Phasen einer Frühwarnfunktion durch das "Kollektiv" nahekommt. eToro versteht sich selbst als Facebook und Twitter des Social Trading. Anbieter von Handelssignalen, die "Popular Investors" können etwa über einen öffentlichen Nachrichten-Stream mit ihren Followern kommunizieren.

 ayondo baut Karrierestufen für Trader

Mit der Gründung von ayondo im Jahr 2008 und dem Start im folgenden Jahr hatte die deutsche Social-Trading-Szene einen ersten heimischen Vertreter. ayondo setzte und setzt auf hohe Transparenz bei der Darstellung der Handelsaktivitäten seiner Signalgeber, der Top-Trader. Schnell wuchs die Anhängerschaft auf einige Hundert aktive Trader. Gehandel wird bei ayondo ausschließlich mit CFDs. Mit der Einführung eines "Karriere-Level"-Systems versucht ayondo seit 2013 Trader nach Risikokennziffern zu differenzieren - aus einer Reihe von Depot-Crashs durch hochriskante Strategien haben die Frankfurter Lehren gezogen. 2014 wurde die Integration des Brokers ayondo markets abgeschlossen. Für den Herbst hat ayondo weitere Neuerungen angekündigt, darunter eine Veränderung des Vergütungssystems für Trader, das bislang ausschließlich auf dem erzeugten Handelsvolumen basiert.

Wikifolio schmiedet Trader-Zertifikate

Im Herbst 2012 hat die Social-Trading-Szene in Deutschland einen neuen, wichtigen Player bekommen: Wikifolio mit Sitz in Wien lässt Handelsstrategien von Tradern in die Form eines börsengehandelten Zertifikats gießen. Zwei Jahre später sind fast 2.000 Zertifikate "investierbar". Neben Profi-Tradern und ambitionierten Hobbytradern sind unter den Anbietern der Wikifolios inzwischen auch Vermögensverwalter und Medienhäuser. Eine umfassende Kooperation mit der Verlagsgruppe Handelsblatt hat Wikifolio eine schnelle Verbreitung gesichert, dazu kommen Partnerschaften mit Direktbanken wie zuletzt comdirect. Als Basiswerte stehen den Tradern hier neben Einzelaktien auch ETF und seit 2013 auch Hebel- und Anlagezertifikate zur Verfügung. Das bislang abgewickelte Handelsvolumen der vom Handelshaus Lang & Schwarz aufgelegten Zertifikate liegt bei mehr als vier Milliarden Euro.

United Signals sucht die Trader-Elite

Ebenfalls im Herbst 2012 ins Social-Trading-Geschäft gestartet ist mit United Signals ein weiterer Anbieter aus Frankfurt. Das Unternehmen versucht vor allem Trading-Profis anzusprechen, die ihre Handelstrategien - überwiegend Forex und CFD - auf der Plattform abbilden wollen. United Signals setzt dabei eher auf enge Verbindungen mit einer kleineren Anzahl von Anbietern als auf eine große Anzahl von Signalbietern. Für eine Auslese der Trader sorgt ein mehrmonatiger Zertifizierungs-Prozess. Die Signale werden über mehrere Partner-Broker in Trades auf Followerseite abgewickelt.

Können Broker "social" werden?

Eine Copy-Trading-Funktion anzubieten, das war in den vergangenen Jahren auch aus Sicht einiger Broker offenbar genug Anreiz, sich mit dem Thema Social Trading zu befassen. Der CFD-Broker Alpari etwa versuchte sich darin, das Angebot wurde allerdings bereits wieder eingestellt. Derzeit ist der polnische CFD-Broker XTB mit seinem Feature xSocial auch in Deutschland präsent, bei dem Handelssignale angeboten und innerhalb der eigenen Handelsumgebung abgebildet werden können.

sharewise und die Weisheit der Besten

Auch die Empfehlungs-Plattform sharewise ist in Deutschland bereits seit 2009 präsent.  Auf sharewise sind eine Reihe von Social-Web-Features wie Musterdepots und Kommunikations-Möglichkeiten innerhalb der Nutzergemeinde integriert. Die besten Empfehlungs-Geber, überwiegend private Aktienfans, schagen hier regelmäßig professionelle Bank-Analysten. Grund genug für das Unternehmen, im Jahr 2012 ein eigenes Anlage-Produkt auf den Markt zu bringen: den sharewise Community-Fonds.

moneymeets knackt Vetriebsstrukturen


Auch moneymeets versteht sich als Social-Trading-Plattform. Das 2012 gegründete Unternehmen will in erster Linie Transparenz in den Finanzmarkt bringen. Nutzer der Plattform können Fonds und inzwischen auch Versicherungen mit reduzierten Vertriebsprovisionen kaufen. Die Höhe dieser zurückgezahlten Kick-backs richtet sich nach der Aktivität der Nutzer in der Community von moneymeets.

Zwischenfazit - Ein Markt in Bewegung

Der Markt für Social Trading in Deutschland ist Ende 2014 in heftiger Bewegung. Einige Tausend Anleger nutzen Social Trading hierzulande als Trader oder Follower. Genaue Zahlen dazu gibt es einstweilen noch nicht. Eine Vielzahl von Ansätzen konkurrieren um Kundschaft. Unterschiedliche Handelsinstrumente auf Seiten der Trader, verschiedene Modelle bei der Vergütung und der Finanzierung der Plattformen bestehen nebeneinander.

Da viele der Plattformen noch durch Investoren finanziell unterstützt werden und sich fortlaufend weitere Mittel zum Ausbau des Angebots und zum Wachstum sichern, stellt sich die Frage nach der Tragfähigkeit der Geschäftsmodelle oft nicht unmittelbar. Die Einstellung des Betriebs einer der Social-Trading-Pioniere, der US-Plattform Currensee im September 2014, zeigt aber, dass auch diese Investoren auf Sicht einiger Jahre positive Erträge oder aber ein "Exit" anstreben. Die Zukunft dürfte damit noch einige interessante Neuankömmlinge in der Szene, aber auch das Ausscheiden von Akteuren mit sich bringen.

Letztlich entscheiden die Anleger selbst, welches der Angebote attraktiv genug ist, um Social Trading als eine Variante der Geldanlege zu nutzen.

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